„Drogen haben hier nichts zu suchen“ Eckernförder Zeitung vom 20.10.2018

Simone Neubrander und Tim Bennewitz vom Party- und Präventionsprojekt Odyssee im Gespräch mit Hausbesuchern, die sich über die negativen Auswirkungen von Drogen informierten. (Quelle: Peters / Eckernförder Zeitung)

„Haus“-Team verzeichnet vermehrt Nachfrage nach Drogenberatung / Zusammenarbeit mit Party- und Präventionsprojekt Odyssee

Von Arne Peters ECKERNFÖRDE
Ob Cannabis, Ecstasy oder Speed –Drogenkonsum ist allgegenwärtig, auch in Eckernförde. In letzter Zeit scheint das Thema wieder besonders aktuell zu sein. Das haben zumindest die Pädagogen aus dem „Haus“ festgestellt. „Wir haben vermehrt Rückmeldungen von den Jugendlichen erhalten, dass sie Bedarf an Aufklärung zu dem Thema haben“, sagt Haus-Leiterin Nadine Förtsch. Einer habe selbst gesagt, dass es so nicht weitergehen könne mit dem Drogenkonsum in Eckernförde, ergänzt ihr Kollege Thoren Kohlweyer. Beide beobachten seit längerem „auffälliges Verhalten“ nicht nur in der Nähe der Jugendeinrichtung, das auf den Handel mit Drogen hinweist. Sie arbeiten mit der Polizei zusammen, verstehen die Jugend und Medienwerkstatt „Haus“ als geschützten Raum. „Wir haben klare Regeln“, sagen die Pädagogen: „Drogen haben hier nichts zu suchen.“ Es droht ein halbes Jahr Hausverbot.

Doch damit ist es nicht getan. Das Team hat reagiert und in dieser Woche für drei Tage das „Party- und Präventionsprojekt Odyssee“ aus Kiel zu sich eingeladen, das über das Sozialministerium finanziert wird. Die Pädagogen Tim Bennewitz und Simone Neubrander verfolgen einen modernen Ansatz der Aufklärung. Abschreckende Bilder von Drogenkonsumenten haben in der Vergangenheit nicht das gewünschte Ergebnis gezeigt. Deshalb gehen sie anders auf ihre Zielgruppe ein. „Jeder Jugendliche weiß, dass Drogen verboten und gefährlich sind“, so Tim Bennewitz. „Wir erklären ihnen deshalb nicht, dass sie gefährlich sind, sondern warum sie gefährlich sind.“ Cannabis zum Beispiel werde glorifiziert. „Es gibt aber keinen anderen Stoff, der so schnell psychische Veränderungen hervorruft.“ Der Wirkstoff THC greife bei jungen Menschen in die Entwicklung des Gehirns ein mit zum Teil schweren Folgen wie Psychosen.

Ein weiteres Ziel des Projekts ist die Aufklärung über den Konsum. „Wir wissen, dass ein einzelnes Gespräch kaum einen Konsumenten davon abhält, weiter Drogen zu nehmen“, so Tim Bennewitz. „Aber wir hoffen, dass sie sich weiter darüber Gedanken machen. Und wenn sie schon Drogen nehmen, sollen sie über die Gefahren Bescheid wissen.“ Ecstasy-Pillen beispielsweise – eine der am meisten konsumierten Drogen– enthalten unterschiedliche Wirkstoffe in unterschiedlicher Zusammensetzung. Viele Konsumenten denken nicht darüber nach und nehmen zu viele Pillen. „Doch es ist ein Unterschied, ob ein 80 Kilo schwerer Mann eine Pille nimmt oder eine 50 Kilo schwere Frau. Konsumenten sollten lieber eine halbe oder eine viertel Tablette nehmen.“ Durch Ecstasy schüttet der Körper das Glückshormon Serotonin aus. „Aber nach diesem Glücksrausch hat der Körper kein Serotonin mehr, und der Konsument fühlt sich schlecht, ist traurig und deprimiert. Erst nach zwei Wochen hat er seine Speicher wieder aufgefüllt. Es bringt also nichts, auf Teufel komm raus Pillen zu schlucken – das funktioniert nicht.“ Deutlich warnen sie vor Mischkonsum. Bei Ecstasy sollte man auch keinen Alkohol trinken, Obst essen, viel trinken und Pausen machen.“

Die Odyssee-Pädagogen genießen bei Jugendlichen und Konsumenten viel Vertrauen. „Wir unterliegen der Schweigepflicht“, so Tim Bennewitz. „Und wir sind nicht die Polizei.“ Sie sind auf Festivals mit einem großen Zelt gegenwärtig, in dem sie Infos zu Drogen, aber auch Wasser, Obst und Kondome austeilen. Häufig erreichen sie positive Rückmeldungen, so auch im „Haus“, wo die Jugendlichen das Informationsangebot sehr gut angenommen haben. Nadine Förtsch: „Die Zusammenarbeit mit Odyssee soll fortgesetzt werden.“ 

Quelle: Eckernförder Zeitung, 20.10.2018